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Do, 14. Februar. 2002 
Kunstmarkt im Netz

Wer schon immer einmal von einem Kunstwerk seines Lieblingskünstlers an den eigenen vier Wänden geträumt hat, das nötige Kleingeld dafür besitzt, aber nicht mit den Spielregeln auf dem Kunstmarkt vertraut ist, dem kann geholfen werden. Vorbei ist das nervöse Nägelkauen vor der Eingangstür einer Galerie. Die Portal-Site für Kunst im Web artnet.com bietet Kunstinteressierten seit 1995 den kostenlosen Service, sich einen umfassenden Überblick über die Angebote internationaler Galerien zu machen. Mittlerweile sind es 1.300 Händler, die bei artnet vertreten sind. Über die alphabetische Auflistung der Künstlernamen gelangt man zu den Galeristen, die den gesuchten Künstler vertreten. Kaufen kann man allerdings nicht im Netz, dafür muss man sich mit der Galerie in Verbindung setzen. Ein weiteres Angebot der Seite informiert über die Preisentwicklung der Künstler auf dem internationalen Kunstmarkt und verhindert, dass man über's Ohr gehauen wird. Seit März 1999 gibt es auch Auktionen bei artnet, die nach schleppenden Beginn mittlerweile so gut laufen, dass sogar Objekte im Wert von 20000 bis 30000 Dollar verkauft werden. 1999 hat artnet 1 Million Dollar erwirtschaftet, mit steigender Tendenz. Hans Neuendorf, Mitbegründer der Art Cologne und CEO von artnet, hat sich mit diesem Dienstleistungskonzept auch Respekt bei der Konkurrenz verschafft. In einem Interview nannte der Chairman des Auktionshauses Phillips, Simon de Pury, den ehemaligen Hamburger Galeristen einen "Visionär, der mit dem Internet die Markterweiterung vorangetrieben hat."

Deutsche Kunst-Portale... 

Im deutschsprachigen Raum gibt es keine vergleichbaren professionellen Angebote. Verschiedene Internet-Portale geben einen Überblick über die deutsche Kunstszene wie art-in.de, artscene.de, galeriendeutschland.de oder art-edition.de. Andere bieten Werke junger Talente online zum Kauf an, zum Beispiel auf bigart.de, dogmagallery.com, gama-art.de, artonnet.de. Für Berater in Sachen Kunst ist eine Website mittlerweile zum wichtigen Akquiseinstrument geworden. Die Kunstagentur Thomessen berät Unternehmen und Sammler, entwickelt individuelle Konzepte zur Ausstattung von Unternehmensräumlichkeiten und präsentiert diese als computergenerierte Animationen. Beim Kauf eines Kunstobjekts übernimmt sie den Transport, die fachgerechte Hängung und Rahmung, was je nach Aufwand seinen Preis hat und für Interessierte mit kleinem Geldbeutel wohl nicht in Frage kommt. Zielgruppe der Kunstberatungen sind deshalb vor allem Unternehmen, die das Engagement für Kunst als wichtigen Imagefaktor entdeckt haben. Die Agentur connecting-art.com arbeitet gezielt mit sechs jungen Künstlern zusammen, die je nach Vorstellung des Unternehmens Kunstwerke für die Präsentation in den Geschäftsräumen schaffen. Dieses Konzept nennen die Macher corporate art. Es steht für "unternehmensspezifische Kunstprojekte, die wir in unserer interdisziplinären Gruppe aus der Synergie von Kunst und Marketing entwickeln." Inwieweit man das Konzept allerdings noch der Kunst zuordnen kann, ist fragwürdig, da das Unternehmen ganz ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Es handelt sich um ein Geschäftsmodell, in dem die Kunst vor dem Profit-Gedanken in den Hintergrund gerät.

Nutznießer des Internet sind vor allem junge Künstler

Die Organisation einer Ausstellung in einer Galerie ist eine teure Angelegenheit. Der Transport der Kunstwerke, die Versicherung und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit kosten viel Geld. Etablierte Künstler, die von einer Galerie professionell vertreten werden, brauchen sich darüber keine Gedanken zu machen, da die Kosten vom Händler übernommen werden. Aber besonders für junge Künstler ist es schwierig, auf dem Kunstmarkt wahrgenommen zu werden. Bereits genannte Web-Sites wie bigart.de oder dogmagallery.com präsentieren junge Kunst, ebenso wie artist-window.de, die Künstler in alphabetischer Reihenfolge vorstellt und mit denen der Interessent zwecks Kauf individuell in Kontakt treten kann.
Das Portal kunstdirekt.net bietet viele Serviceleistungen für Künstler an. Zu fairen Preisen kann man sich eine Homepage bauen lassen, die kostenlos in die Linklisten eingetragen wird. Außerdem werden auf Anfrage digitale Werkkataloge auf CD-Rom erstellt. Voraussetzung, um sich bei germanartists.de für eine Monatsausstellung zu bewerben, ist eine funktionstüchtige und dokumentatorische Homepage. Ausgestellt werden alle Genres der bildenden Kunst.

Auffällig bei vielen deutschen Kunst-Portalen ist die Konzentration auf den präsentierten Inhalt, also die Kunst und ihre Künstler, was sinnvoll erscheint. Das Design und der Aufbau der Seiten lässt leider oft zu wünschen übrig, ebenso wie die Qualität, in der die Kunstwerke wiedergegeben werden. Der direkte Blick auf das Original kann durch eine Internetpräsenz nicht ersetzt werden, aber die Möglichkeiten, sich zu informieren und unkompliziert Kontakt zu Künstler und Sammler aufzunehmen, werden dadurch erweitert.

Erschienen am 17.01.2002

Anja Karrasch Update: Friday, 18. January 2002, 11:34:44 +0100
Von: Anja Karrasch <anjakarrasch@csi.com>
An: redaktion@politik-digital.de
URL: keine Homepage